Der Luxus eines Blickes von außen

Gestern haben wir die ersten Zwischenergebnisse der Evaluation erhalten. Unsere Evaluatorin hat mit den meisten Teammitgliedern länger telefoniert und uns nun zurückgespiegelt, an welchen Stellen wir große Einigkeit haben und an welchen Stellen wir noch deutlichen Gesprächsbedarf haben. Warum ich das als Luxus empfinde? Aus drei Gründen:

  • Natürlich haben wir uns versprochen, bei Irritationen zu sprechen und finden, dass wir eine sehr offene Atmosphäre im Team haben. Und doch gibt es viele Dinge, die im Einzelgespräch mit einem Externen eher angesprochen werden. Unsere Evaluation präsentiert uns unsere Tabuthemen auf dem Silbertablett. Wir können dann immer noch “entscheiden”, nicht hinzugucken, aber wenigstens wissen wir, dass es sie gibt.
  • Wir arbeiten unter Hochdruck mit sehr enger Deadline und haben, entgegen unseren Überzeugungen, keine Zeit für echte Abstimmungen von Teamverständnis, Zukunftsvisionen, zugrundeliegender Haltung etc. Und wir stellen fest: ein Stück weit kann man das “outsourcen”. Wir haben gestern gelernt, an welchen Stellen wir uns einig sind – und es waren richtig viele. Das Gefühl, dass wir wirklich dasselbe wollen, hat sich verstärkt.  Statt dieses in langen Teamsitzungen zu erarbeiten, können wir nun beruhigt davon ausgehen, dass wir in dieselbe Richtung gehen. Das entlastet.
  • Einige der Ergebnisse waren schon obsolet, vieles hatte sich bereits erledigt, obwohl die Gespräche vor wenigen Wochen stattgefunden hatten. Es war der klare Beweis dafür, dass wir uns gut und schnell entwickeln. Von innen lassen sich diese Entwicklungen oftmals nicht sehen, wenn dann nur diffus spüren. Es hat gut getan, zu sehen, wie gut wir im Prozess sind – und natürlich auch, welche Themen wir noch haben.

 

Inhaltlich habe ich auch eine ganze Menge mitgenommen, das nicht nur für uns relevant ist, hier nur einige:

  • Wir wollen alles und noch viel mehr. Was an Zielen, die wir uns selbst stecken, in den Ergebnissen stand, war inspirierend und erschreckend zugleich – und sprengte komplett den Rahmen unseres Projektantrages. Sicher war es gut, zu Anfang einmal breit aufzumachen, doch nun ist es an der Zeit, zu fokussieren.
  • Wir genießen Eigenverantwortung und volle Ermächtigung, sind uns aber unsicher und uneinig, wieviel Kommunikation notwendig ist, damit das Gesamtnetz gut hält.
  • Vor lauter “arbeiten, arbeiten, arbeiten” nehmen wir uns nicht annähernd genug Zeit, mit denen zu kommunizieren, um die es eigentlich geht – in unserem Fall Dörfer deutschlandweit.

 

In allen Projekten, die ich kenne, ist es ähnlich: obwohl sich alle einig sind, dass Reflexion wichtigster Motor von Qualitätsentwicklung ist, ist es immer das erste, das im Projektalltag von der Tagesordnung gestrichen wird. Eine begleitende Evaluation stellt sicher, dass das nicht passiert. Aus meiner Sicht eine absolut lohnenswerte Investition für alle, die wenig Zeit haben und sich trotzdem reflektiert entwickeln möchten.

von Monia, Team Dörfer im Aufbruch

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