Dezentral Arbeiten: wieviel gemeinsame Entscheidung ist nötig?

Dörfer im Aufbruch, das sind derzeit acht Menschen an sechs verschiedenen Standorten, fünf davon aktiv im Projekt beteiligt, drei in der Rolle der Initiatoren und Austauschpartner. Alle projekterfahren und mit einem Hang, Dinge immer wieder neu denken zu wollen.

Wie schafft man es eine solche dezentrale Organisation zusammenzuhalten und arbeitsfähig zu gestalten. Die Begeisterung für ein Thema hat das Team von Dörfer im Aufbruch im ersten Schritt zusammengeführt. Für alle Beteiligten geht es um das Gestalten von Gemeinschaft, wodurch und unter welchen Bedingungen Eigeninitiative und Teilhabe möglich ist, woran Akzeptanz und Entscheidungsprozesse scheitern können. Dörfer als Mikrokosmos des menschlichen Zusammenlebens, in dem Begegnung und Miteinander ermöglicht werden soll.

Innerhalb von 4,5 Monaten sollten eine Webseite, eine Konferenz und ein Online-Kurs auf die Beine gestellt werden. Die Projekterfahrung des Teams hatte gezeigt, dass auf mehrere Schultern verteilte Verantwortung häufig zu langen Abstimmungsschleifen führt. Die Qual der Entscheidungsunfähigtkeit hatten alle schon am eigenen Leibe erlebt.

Den Zusammenhalt und die Arbeitsfähigkeit schuf die bewusste Auswahl einer ‘neuen’ Organisationsstruktur. Die oberste Regel ist 1 Person = 1 Aufgabe; die eigene Aufgabe kann jede/r selbstbestimmt erledigen. Selbstverantwortung ist das leitende Prinzip. Für die einzelnen Mitglieder des Teams war die eigene Entscheidung über wann und wie sie arbeiten der Motivationsfaktor; die Hoheit über das eigene Arbeiten für Einige der ‘persönliche’ Erfolgsfaktor dieses Projekts.

Schwierig wird das Prinzip, wenn sich z.B. die Aufgabe im Laufe des Projekts ändert und dann Person und Aufgabe nicht mehr zueinander passen. Und was passiert mit den Aufgaben, die am Anfang des Projekts nicht verteilt werden, vielleicht noch nicht einmal existieren.

Hier kommen wir zur Kommunikation, wohl das schwierigste Unterfangen für dezentrale Projektteams. Das Team von ‘Dörfer im Aufbruch’ hat sich eine virtuelle Plattform als zentralen Raum für Austausch und Überblick gewählt auf der alle Teammitglieder ihre täglichen Aufgaben, Dokumente und Kommunikation speichern. Hier brauchte es nur einige Erinnerungen – der Sinn und Nutzen war allen klar.

Beim Prinzip der beratenden Entscheidung scheiden sich die Geister. Für die Erfahrenen (in dezentraler Projektzusammenarbeit) wurde in den ersten Monaten viel zu wenig auf das Wissen der Anderen zurückgegriffen. Dabei liegt die finale Entscheidung wie oder was gemacht wird immer bei der Person, die die Verantwortung für die Aufgabe hat; genauso gibt es auch die Verantwortung das Wissen des Teams zu nutzen – sich beraten zu lassen.

Beim Thema Beratung der eigenen Entscheidung scheint es einen (wahrscheinlich) nicht untypischen Gender Gap im Team zu geben. Den weiblichen Teammitgliedern fällt es wesentlich einfacher, da es aus Ihrer Sicht dazu dient, bessere Entscheidungen zu treffen, gerade unter enormen Zeitdruck. Im männlichen Blick raube ich auch noch dem Anderen etwas von seiner kostbaren Zeit und kann doch auch alleine entscheiden

Während der Halbzeit Reflektion waren sich alle Teammitglieder einig, wenn es um den Wert der direkten Kommunikation und des gemeinsamen Austausch geht. Der gemeinsame richtige Weg, eine Anregung für einen neuen Ansatz oder auch nur das gemeinsame Lachen über einen weiteren gescheiterten Versuch sind die Sonnenseiten der Teamarbeit.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

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