Wann gelingt demokratische Teilhabe im Dorf?

Eine der Fragen, mit denen sich das Projekt-Team von Dörfer im Aufbruch immer wieder beschäftigt, ist inwieweit demokratische Prozesse im ländlichen Bereich und die Förderung von bürgerlichem Engagement die negative Entwicklung vieler ländlicher Regionen aufhalten kann oder sogar positiv umkehren kann. Was sind die Faktoren, die ein Dorf und seine Bewohner dazu bewegen, sich über die täglichen sozialen Interaktionen hinaus miteinander in einen Entwicklungsprozess zu begeben und welche Faktoren lassen diese Bewegungen erfolgreich sein.

In der Auseinandersetzung und Analyse von Dörfern im Aufbruch wird klar, dass sich diese durch eine starke Vernetzung und einen intensiven Austausch auszeichnen. Die Bewohner – und meist reicht für einen erfolgreichen Start eine Handvoll – nehmen ihre Belange in die Hand, finden Lösungen für die Probleme der Gemeinschaft, gestalten aktiv Gesellschaft und unterstützen in dieser Form jeden Einzelnen. Diese Dörfer und ihre Bewohner übernehmen die Verantwortung für ihre Zukunft.

Häufig scheint es so etwas wie einen kritischen Punkt für Bürgerengagement zu geben. Einen Auslöser, an dem Bewohner ebendieser ländlichen Regionen sich zumeist selbst entscheiden müssen, ob ihr Dorf noch eine lebenswerte Zukunft darstelltwenn kein Bus mehr fährt, der letzte Arzt in der Region seine Praxis schließt oder die Schule im Nachbardorf schließt. Veränderungen, die das Leben des Einzelnen beeinflussen und auf die die Gemeinschaft reagieren muss. Das Zusammenkommen, die soziale Interaktion reicht hier nicht mehr, es geht um gemeinsame Entscheidungsprozesse, das Aushandeln der gemeinsamen Zukunft.

Die Analyse der in ihrem Profil sehr unterschiedlichen Dörfer zeigt aber auch, meist reicht eine umgesetzte Lösung um die Kreativität und das Engagement zu beflügeln. Erfolg spornt an, aus Wenigen werden Viele. Engagierte Dörfer sind gelebte Teilhabe – Demokratie in ihrer Urform. Auf kleinstem Raum kommen hier Jung und Alt in all ihrer Diversität zusammen. Gemeinsame Entscheidungsfindung ist das Aushandeln dieser unterschiedlichen Interessen, in denen zukunftsfähige Alternativen entstehen (können). Eine Dorfinfrastruktur, die Familien (mit Kindern) hält und gleichzeitig das Leben im Alter problemlos möglich macht.

Häufig entstehen diese Initiativen abseits einer institutionellen Demokratie und Politik und brauchen neben den guten Ideen auch einen Prozess, an dessen Ende nicht neue Konflikte stehen sollen. Die engagierten Dorfbewohner sind Experten für die ‚richtigen’ Lösungen für ihr Dorf, ihre Region, nicht jedes Dorf hat jedoch zwangsläufig Experten für Teilhabe-Prozesse.

Hier setzt der Online-Kurs von Dörfer im Aufbruch an, er soll Menschen befähigen, komplexe Aushandlungsprozesse in Gemeinschaft zu meistern, sich selbst dabei nicht aus dem Auge zu verlieren und den Blick für wichtige Aspekte wie Finanzierung und Unternehmertum schärfen. Aus der Analyse und der Erfahrung mit Veränderungsprozessen sind Module entstanden, die Anregungen und Unterstützung für die erfolgreiche Umsetzung von Veränderungs- und Innovationsprozesse (nicht nur im ländlichen Raum) liefern. Die Beteiligten sollen die Möglichkeit erhalten, sich nicht nur von den Beispielen anderer Dörfer auf der Plattform inspirieren zu lassen, sondern gleichzeitig von Experten zu lernen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

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