Wie Zeitdruck (Projekt)-Kräfte freisetzt (und nicht bewegungsunfähig macht)

Das Thema Zeitmangel taucht sicherlich in allen Projekten irgendwann auf. Fixe Termine auf die alle Beteiligten zuarbeiten, Finanzierungen, die irgendwann auslaufen, zu viele kleine Aufgaben, die sich auf immer länger werdenden Listen zusammenbrauen.

Hört man dem Team von Dörfer im Aufbruch nach sechs Wochen gemeinsamer Arbeit zu, hat es sich schier Unmögliches vorgenommen. In weniger als 5 Monaten sollen eine Konferenz, ein Online-Kurs, eine Webseite entstehen, die sich aus einer Datenbank mit Projektbeispielen speist, eine breite Öffentlichkeit will man erreichen, der Blog und Social Media Kanäle sollen bespielt werden…

Zur Halbzeit der ersten Projektphase haben sich einige dieser Ziele verändert. Die Konferenz ist zu Filmabenden mit Diskussion geworden – in drei Bundesländern; aus einem Tag sind drei Abende an drei verschiedenen Orten geworden. Die Ergebnisse und Projektprodukte sind nicht weniger geworden, sondern andere. Wie ist das möglich?

Das Team von Dörfer im Aufbruch arbeitet (unbewusst) in kurzen Projektsprints. Auf kurze Treffen für Vision, Reflektion und notwendige gemeinsame Planung folgen Phasen, in denen alle Teammitglieder autark (siehe Orgamodell) ihren Aufgaben, Verantwortungen nachgehen. Dies gewährt die Flexibilität Ideen auszuprobieren, zu modellieren und zu verwerfen.

Durch die Autonomie der Entscheidung können alle direkt ins Machen kommen. Gepaart mit einer gelebten Kultur der Fehlerfreundlichkeit und einer gehörigen Portion Humor hat jeder die Möglichkeit auch mal seiner Intuition oder dem Zufallsprinzip zu folgen. Es gibt kaum vordefinierte Projektabläufe, aber eine Menge Erfahrung und Lust zu spielen. Natürlich ist es nicht immer leicht, den eigenen Anspruch an Projektergebnisse oder (sinnvolle) Projektziele gefühlt nach unten korrigieren zu müssen. Die auferlegten Deadlines forcieren schnell sichtbare Ergebnisse; die Beruhigung ist, Korrekturen sind jederzeit im Nachhinein möglich.

Für Themen fern der Projektrealität – wie Ideen, Methoden und Formate entwickeln, der Austausch zur Form der gemeinsamen Arbeit und das Erdenken einer Zukunftsvision – reichen die regelmäßigen Teamtreffen kaum aus. Und manchmal – wie beim letzten Teamtreffen – gibt es kurze 15 Minuten, in denen magischerweise alle feststellen, dass sich ganz unabhängig voneinander ähnliche Zukunftsvisionen entwickelt haben. Das reicht um weiterzumachen und den Faden im Dezember wieder aufzunehmen.

Das ist wohl Teil der Portion Glück, die auch dazugehört. In diesem Fall hat sich ein Team zusammengefunden, in dem sich nur Einige kennen und schon zusammengearbeitet haben und trotzdem alle voneinander wie von alten Bekannten sprechen. Gemeinsam haben sie eine Atmosphäre der Offenheit geschaffen, in dem alle freundlich zugewandt und aufmerksam neben dem Projektmitglied und der gemeinsamen Aufgabe auch den Menschen sehen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

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