Wir wurden ausgezeichnet!

„Hilfe zur Selbsthilfe – das sei das richtige Mittel, um regional angepasste Lösungen zu ermöglichen und zugleich das Selbstbewusstsein und die Heimatverbundenheit zu stärken. Wer etwas aus eigener Kraft schaffe, sei stolz darauf, so Martin Gorholt. Während der Auszeichnungsveranstaltung hob er hervor, dass ‚Dörfer im Aufbruch‘ dazu beitragen will, wirtschaftlich tragfähige, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. An Ideen mangele es nicht, aber es müssten auch die Spielräume zur Verwirklichung innovativer Ansätze geschaffen werden. Manchmal gibt es Hindernisse in Form von Rechtsvorschriften, manchmal auch ‚lediglich‘ in den Köpfen, so Martin Gorholt weiter. Außerdem wolle er mit dieser Auszeichnung alle Brandenburgerinnen und Brandenburger ermutigen, sich aktiv mit neuen Ideen und Konzepten in die Gestaltung ihres Dorfes einzubringen. Notwendig sei aber auch, dass Entscheider in Politik und Verwaltung Neues zulassen und sich auf Augenhöhe mit den Akteuren auseinandersetzen.

Dazu hatte Martin Gorholt während der Veranstaltung Gelegenheit. Wir fanden es großartig, dass unseren Einladungen so zahlreich Folge geleistet wurde. Verschiedene Akteure aus Zivilgesellschaft und Verwaltung des Landes Brandenburgs und des Amtes Odervorland waren zum Erfahrungsaustausch erschienen. Darunter die Amtsleiterin des Amtes Odervorland, Marlene Rost, Grit Körmer vom Netzwerk lebendige Dörfer Brandenburg e.V., der ehrenamtliche Bürgermeister von Briesen, Jörg Bredow, das Ehepaar Behnke vom Alten Amtshaus Steinhöfel und Christine Hoffmann von landkunstleben e.V. Sogar die Geschäftsführerin von „Land der Ideen“, Ute Weiland beehrte uns. Besonders sicher fühlten wir uns durch die Anwesenheit von Karsten Wende, Kommandeur der Freiwilligen Feuerwehr Steinhöfel und seiner Frau. Die illustre Runde erörterte Themen wie Mobilität, Bürokratiehemmnisse in der Verwaltung, fehlende Immobilienübersicht für Existenzgründer im ländlichen Raum trotz Leerstands oder die aktuelle dezentrale Förderstrategie in die Fläche des Landes Brandenburgs. Im Gespräch wurden Erwartungen an Politik und Verwaltung sehr konkret formuliert.

Nach der Verabschiedung von Herrn Gorholt wurde bei kleinen Snacks und Erfrischungen weiter diskutiert. Das wunderschöne Sommerwetter tat sein Übriges für eine sehr gelungene Veranstaltung. Wir freuen uns auf weitere Treffen mit den Steinhöfeler und Brandenburger Akteuren des ländlichen Raumes und bedanken uns für den engagierten Austausch!

Zweiter Prototypen-Workshop von DiANA in Oranienburg

Unser 1. Prototypen-WS Mitte Mai hat uns viele wertvolle Erkenntnisse geliefert. Vielen lieben Dank noch einmal an die Teilnehmer*innen, das war wirklich toll! Zusätzlich konnten wir DiANA Ende Mai bei der Veranstaltung „FreiRaum Brandenburg Digital“ von der Staatskanzlei in Potsdam vorstellen und testen. Beides hat uns sehr geholfen DiANA zu verbessern und anwenderfeundlicher zu gestalten. Mittlerweile ist DiANA in der Lage, mehr als 40 Dorfentwicklungsmethoden anzuleiten. Auch eine Betaversion der Web-App steht zur Verfügung. Obwohl wir viele Hinweise umgesetzt haben, wollen wir von den potentiellen Nutzern wissen, was wir noch besser machen können.

Daher werden wir am 13. September 2019 einen zweiten Prototypen-Workshop zu DiANA – die virtuelle Co-Moderatorin in Oranienburg durchführen. Wir erhoffen uns wieder ein so wertvolles Feedback wie beim ersten Workshop, denn damit können wir DiANA mit dem letzten Feinschliff versehen. Dazu brauchen wir Eure Unterstützung. Für kleine Snacks ist gesorgt. Wir freuen uns auf den Workshop und Eure Teilnahme.

Hier findet Ihr noch mehr Infos zu DiANA.

Anmeldung:

Bei Interesse meldet Euch bitte bis zum 30.08.2019 per Mail bei Jens Näumann von Dörfer im Aufbruch unter jens.naeumann@doerfer-im-aufbruch.de an. Bei Fragen vorab könnt Ihr uns auch telefonisch unter 033636-679798 erreichen.

Erster Prototypen-Workshop von DiANA mit der Raumpionierstation Oberlausitz

Die Raumpionierstation Oberlausitz mit Arielle Kohlschmidt und Jan Hufenbach möchte Unentschlossenen und Zuzüglern das Landleben in der Oberlausitz näherbringen und den ersten Schritt hin zu einem Leben auf dem Land erleichtern. Durch sie werden Menschen sichtbar, die diesen Weg bereits gegangen sind – mit allen Vorzügen und Nachteilen.

Mit der Raumpionierstation ist ein breites Netzwerk von Akteuren aus dem ländlichen Raum entstanden. Dörfer im Aufbruch hat die Gelegenheit, von diesem Netzwerk mit seinem reichen Erfahrungsschatz zu profitieren. Denn Jan Hufenbach unterstützt uns dabei, Menschen aus der Region sowie verschiedene Akteure des ländlichen Raumes in Weißwasser zusammen zu bringen.

Mit ihnen wollen wir am 18.05. den ersten Prototypen von DiANA – der virtuellen Co-Moderatorin – in Weißwasser testen. Denn wir wollen wissen, was wir bei der Entwicklung von DiANA noch besser machen können, damit Ihr sie in der Praxis bestmöglich nutzen könnt. Hier schon einmal ein herzliches Dankeschön an Jan. Wir freuen uns auf die Workshops in Weißwasser!

Anmeldung:

Bei Interesse meldet Euch bis zum 30.04.2019 per Mail bei Jens Näumann von Dörfer im Aufbruch unter jens.naeumann@doerfer-im-aufbruch.de an. Bei Fragen vorab könnt Ihr uns auch telefonisch unter 033636-679798 erreichen.

Entwicklung von DiANA – die virtuelle Co-Moderatorin

Momentan fahren wir durch weite Teile des ländlichen Raumes in Deutschland. Die Fragen, die wir dabei mit an Bord haben, sind sehr vielfältig. Beginnend mit „welche innovativen Dorfprojekte gibt es denn bereits“ über „was würde Euch helfen, um Euer Projekt voranzubringen“ und „was könnt Ihr tun, wenn Euer Dorfprojekt ins Stocken gerät“ bis zu „was bräuchtet Ihr, um Hürden zu umschiffen“, um nur ein paar zu nennen. Diese Fragen erörtern wir mit den Akteuren vor Ort. Wir versuchen aus ihren Erfahrungen zu lernen und wollen mit unterschiedlichen Methoden Antworten finden, die wir dann in Form von Videos festhalten.

Mit DiANA – der virtuelle Co-Moderatorin – könnt Ihr Eure Fragen oder Ziele schildern. Euch wird eine oder auf Wunsch mehrere mögliche Methoden vorgeschlagen. Diese werden direkt per Video anmoderiert und Ihr werdet Schritt für Schritt durch die Umsetzung geleitet. So könnt Ihr bei Eurem Dorfstammtisch oder in Eurer Gemeinderatssitzung überzeugen. Was Ihr braucht, ist ein digitales Endgerät wie Smartphone, Tablet oder Laptop und einen Internetzugang, denn DiANA wird eine Web-App sein, die Ihr über unsere Webseite doerfer-im-aufbruch.de aufrufen könnt.

Die Entwicklung von DiANA ist gerade in vollem Gange. Wir werden bereits Mitte Mai einen ersten Prototypen testen. Nach Fertigstellung werden wir dann Ende 2019 bzw. Anfang 2020 DiANA – die virtuelle Co-Moderatorin in Form von Workshops vorstellen. Bis dahin werden wir Euch auf unserer Webseite und auf Facebook auf dem Laufenden halten.

 

Wir sind ausgezeichneter Ort im Land der Ideen

Heute ist es soweit. Wir sind in Berlin bei der Preisverleihung und freuen uns, dass Dörfer im Aufbruch einer der 100 Orte in Deutschland ist, die unter 1.500 für diese Auszeichnung ausgewählt wurden.

Für uns ist das ein klares Zeichen, dass immer mehr Menschen sehen, wie wichtig das ist, was Ihr in den Dörfern schafft: Lebens- und Arbeitsorte schaffen, die den Städten in Sachen in Innovation in nichts nachstehen und gleichzeitig doch so tief menschlich sind.

Dörfer im Aufbruch ist nur eine Plattform, die das darstellt, was andere machen. Diese Auszeichnung gilt daher Euch, all den Menschen, die ihre Dörfer bewegen, mit Engagement, Liebe und Penetranz voranschreiten. Eure Arbeit ist beeindruckend und wird gesehen und gewürdigt. Ihr seid die Gestalter von Zukunft und Gesellschaft und wir danken Euch dafür!

von Monia, Team Dörfer im Aufbruch

Wann gelingt demokratische Teilhabe im Dorf?

Eine der Fragen, mit denen sich das Projekt-Team von Dörfer im Aufbruch immer wieder beschäftigt, ist inwieweit demokratische Prozesse im ländlichen Bereich und die Förderung von bürgerlichem Engagement die negative Entwicklung vieler ländlicher Regionen aufhalten kann oder sogar positiv umkehren kann. Was sind die Faktoren, die ein Dorf und seine Bewohner dazu bewegen, sich über die täglichen sozialen Interaktionen hinaus miteinander in einen Entwicklungsprozess zu begeben und welche Faktoren lassen diese Bewegungen erfolgreich sein.

In der Auseinandersetzung und Analyse von Dörfern im Aufbruch wird klar, dass sich diese durch eine starke Vernetzung und einen intensiven Austausch auszeichnen. Die Bewohner – und meist reicht für einen erfolgreichen Start eine Handvoll – nehmen ihre Belange in die Hand, finden Lösungen für die Probleme der Gemeinschaft, gestalten aktiv Gesellschaft und unterstützen in dieser Form jeden Einzelnen. Diese Dörfer und ihre Bewohner übernehmen die Verantwortung für ihre Zukunft.

Häufig scheint es so etwas wie einen kritischen Punkt für Bürgerengagement zu geben. Einen Auslöser, an dem Bewohner ebendieser ländlichen Regionen sich zumeist selbst entscheiden müssen, ob ihr Dorf noch eine lebenswerte Zukunft darstelltwenn kein Bus mehr fährt, der letzte Arzt in der Region seine Praxis schließt oder die Schule im Nachbardorf schließt. Veränderungen, die das Leben des Einzelnen beeinflussen und auf die die Gemeinschaft reagieren muss. Das Zusammenkommen, die soziale Interaktion reicht hier nicht mehr, es geht um gemeinsame Entscheidungsprozesse, das Aushandeln der gemeinsamen Zukunft.

Die Analyse der in ihrem Profil sehr unterschiedlichen Dörfer zeigt aber auch, meist reicht eine umgesetzte Lösung um die Kreativität und das Engagement zu beflügeln. Erfolg spornt an, aus Wenigen werden Viele. Engagierte Dörfer sind gelebte Teilhabe – Demokratie in ihrer Urform. Auf kleinstem Raum kommen hier Jung und Alt in all ihrer Diversität zusammen. Gemeinsame Entscheidungsfindung ist das Aushandeln dieser unterschiedlichen Interessen, in denen zukunftsfähige Alternativen entstehen (können). Eine Dorfinfrastruktur, die Familien (mit Kindern) hält und gleichzeitig das Leben im Alter problemlos möglich macht.

Häufig entstehen diese Initiativen abseits einer institutionellen Demokratie und Politik und brauchen neben den guten Ideen auch einen Prozess, an dessen Ende nicht neue Konflikte stehen sollen. Die engagierten Dorfbewohner sind Experten für die ‚richtigen’ Lösungen für ihr Dorf, ihre Region, nicht jedes Dorf hat jedoch zwangsläufig Experten für Teilhabe-Prozesse.

Hier setzt der Online-Kurs von Dörfer im Aufbruch an, er soll Menschen befähigen, komplexe Aushandlungsprozesse in Gemeinschaft zu meistern, sich selbst dabei nicht aus dem Auge zu verlieren und den Blick für wichtige Aspekte wie Finanzierung und Unternehmertum schärfen. Aus der Analyse und der Erfahrung mit Veränderungsprozessen sind Module entstanden, die Anregungen und Unterstützung für die erfolgreiche Umsetzung von Veränderungs- und Innovationsprozesse (nicht nur im ländlichen Raum) liefern. Die Beteiligten sollen die Möglichkeit erhalten, sich nicht nur von den Beispielen anderer Dörfer auf der Plattform inspirieren zu lassen, sondern gleichzeitig von Experten zu lernen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

Dorf im Aufbruch – der Versuch einer Definition

Am Anfang stand eine Idee, die innovativen Dörfer Deutschlands auf einer Plattform abbilden, sie portraitieren und an einem zentralen Ort sichtbar machen. Die Initiative ‚Dörfer im Aufbruch’ möchte anderen Machern, Gemeinschaften und Initiativen im ländlichen Raum eine Quelle der Inspiration und möglichen Vernetzung bieten.  Das Team von ‚Dörfer im Aufbruch’ hatte sich zur Aufgabe gesetzt, möglichst vielen engagierten, innovativen Dörfern ein Gesicht zu geben. Und mit einer möglichst breiten Auswahl an eindrucksvollen positiven Beispielen Innovation im ländlichen Raum weiter anzuregen.

Mit dieser Vision vor Augen stand das Team vor einigen Fragen:

  • Was ist ein innovatives/ein engagiertes/ein zukunftsorientiertes Dorf? ’
  • ‚Wodurch zeichnet es sich aus? ’
  • ‚Was sind die konkreten Auswahlkriterien? ’ und
  • ‚Wie sieht der interne Auswahlprozess aus? ’

Ein Dorf kann sich in vielen Aspekten und Bereichen engagieren. Das Team von ‚Dörfer im Aufbruch’ hat diese in neun Kategorien aufgeteilt. Bereiche in denen ein Dorf, eine Dorfgemeinschaft oder engagierte Dorfbewohner aktiv werden können, die eine Dorfgemeinschaft stärken sowie jede(n) Einzelne(n) in ihrem oder seinem Alltag unterstützen.

Das Team formulierte folgende Bereiche:

  • Kinder & Jugendliche
  • Partizipation & Vernetzung
  • soziale Unterstützung
  • Arbeitsinfrastruktur der Arbeit
  • Finanzierung der Aktivitäten des Dorfes
  • Transport
  • Sport & Kultur
  • Umwelt
  • Gesundheit

Eine Erfahrung, die die Team-Mitglieder aus ihrem eigenen Leben im ländlichen Raum mitbrachten und in der ersten Recherche bestätigt fanden, engagierte Dörfer erkennt man an vielen Festen und Orten, an denen die Dorfbewohner zusammen kommen können, zusammen aktiv sein können, Austausch möglich ist.

Aber reicht ein Fest zu jedem Anlass, die Freiwillige Feuerwehr und der wiederbelebte Fußballverein um ein Dorf nachhaltig zukunftsfähig zu gestalten? Reicht das Engagement im Bereich Sport & Kultur tatsächlich, um ein Dorf als innovativ zu bezeichnen? Wie kann nachhaltig Abwanderung und das langsame Sterben vieler Dörfer verhindert werden?

Für das Team ‚Dörfer im Aufbruch’ ging es darum, Dörfer zu porträtieren, die Antworten auf diese Fragen finden, die neue Lösungen entwickeln, Dorfstrukturen neu denken, eine eigene Zukunft gestalten.

Ganz konkret war die objektive Antwort des Teams ‚Dörfer im Aufbruch’ eine Auswahlregel: ein innovatives Dorf muss in mindestens drei der oben genannten Kategorien aktiv sein.

Und doch wurde beim gegenseitigen Vorstellen und Diskussion im Team auch klar, dass die eigene Emotionalität eine Rolle bei der Auswahl spielt. Und die damit verbundene Frage, darf Emotionalität eine Logik sein? Die Antwort ist aus dem Ziel, der selbst gesetzten Aufgabe von ‚Dörfer im Aufbruch’ im Laufe des Projekts gewachsen. Die Initiative möchte inspirieren und Menschen mit realen, funktionierenden, teilweise verblüffenden Beispielen berühren. Sie möchte den noch fehlenden Anstoß geben, sich selber auf den Weg zu machen. Inspiration braucht Emotionalität, um zu Berühren.

Die Formel für nachhaltige Veränderungsprozesse scheint im Aufbau einer funktionierenden, modernen Infrastruktur für Jung und Alt in Verbindung mit einer vernetzten, lebendigen Dorfgemeinschaft zu bestehen.

Dörfer im Aufbruch möchte Dörfer zeigen, die Dinge anders angehen, Dorfleben neu definieren. Dörfer, die eine digitale Infrastruktur aufbauen und somit zum Beispiel ländliches Co-Working ermöglichen. Dörfer, die durch die Integration von Flüchtlingen zu neuem Leben erwachen. Dörfer, die eine Lösung für eine einzelne brennende Frage gefunden haben, wie ein funktionierendes Carsharing System auf dem Land und so die Mobilität aller Dorfbewohner sicherstellen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

Schnell viel Wissen: Sinn und Unsinn eines Fragebogens

Am Anfang eines Projektes gibt es meistens eine Projektbeschreibung – mitunter in Form eines Antrags – ein paar wildentschlossene Mitstreiter und eine Menge Fragen. Womit beschäftigen wir uns hier eigentlich, was ist unsere Sicht auf das ‚Was’, ‚Wie’ und ‚Warum’ der nächsten Monate Zusammenarbeit.Häufig geht dann der Blick nach außen. Was gibt es eigentlich schon? In welche Landschaft tauchen wir ein? Gibt es bereits andere Projekte, Institutionen, Menschen, die auf diesem Gebiet Erfahrungen gesammelt haben, wollen wir natürlich von Ihnen lernen. Und dann ertönt der Ruf nach dem Fragebogen. Lasst uns doch einen Fragebogen an all diese rausschicken, im Handumdrehen haben wir all das Wissen, das wir benötigen und sind im Kontakt mit allen. Es klingt so verlockend: schnelles Wissen und den Netzwerkaufbau gibt es noch obendrauf.

Auch für Dörfer im Aufbruch war das einer der ersten Schritte. Es ging darum, eine Landkarte innovativer Dörfer Deutschlands zu erstellen. Sie sollten die Quelle der Inspiration sein – zeigen, was möglich ist. Wir hatten gelernt aus anderen Erfahrungen, also erstmal anrufen bevor wir einen Fragebogen schicken. Nur wie ruft man ein Dorf an? Wer sind die Ansprechpartner? Viele der Initiativen bestehen aus Freiwilligen.

Also neue Taktik – das Internet befragen. Am Ende standen 150 Dörfer auf einer Liste und die Fragebogen wurden versendet. Ausgefüllte Rücksendungen 3 – eine Quote von zwei Prozent.

Ein Versuch der Erklärung. Fragebogen können meist in nicht mehr als fünf bis zehn Minuten ausgefüllt werden. Mangel an Zeit wird häufig als erster Grund für das Nicht-Ausfüllen genannt, erklärt wohl kaum das desaströse Abschneiden.

Ein in unserem Projekt sicherlich entscheidender Punkt ist die Unsicherheit über die Adressaten, viele der Briefe haben wir ohne vorherigen ersten Kontakt sozusagen ins Leere geschickt. Haben wir die richtigen Ansprechpartner für unser Thema ermittelt?

Der zweite Grund sind wir, Dörfer im Aufbruch – eine bis dato relativ unbekannte Initiative. In Fragebögen werden die Befragten darum gebeten, Ihr Wissen, Expertise und Meinung preis zu geben. Aber wer möchte das wissen, wozu, was passiert mit meinen Äußerungen und was habe ich davon?

Es braucht Vertrauen, entweder, weil ich den Fragenden kenne (persönlich, die Institution, das Unternehmen oder auch die Umfrage-Agentur, bei der ich meine Daten hinterlassen habe). Es braucht eine Form der Verbundenheit mit dem Thema und Verbindlichkeit dem Fragenden gegenüber mir diese zehn Minuten zu nehmen. Ein Fragebogen kann Teil eines Dialogs sein, die Basis dazu ist, dass es vorher eine Beziehung gibt und somit den Wunsch des Austauschs.

Vermutlich haben mehr als zwei Prozent der von uns angeschriebenen, den Brief zumindest geöffnet und sich den Fragebogen angeschaut. Menschen haben zwar wenig Zeit, sind aber immer auch neugierig. Und hier können wir nur noch mehr mutmaßen. Bei der Erstellung eines Fragebogens geben wir alleine durch die Wahl dieser speziellen Frage, Formulierung unsere Sicht der Dinge mit. Meist tun wir das auch noch als die von Außen, wir haben keine Ahnung und formulieren über die Frage trotzdem Hypothesen. Beim Empfänger – unserem Experten – kann die gefühlt falsche Perspektive oder auch nur die falsche Wortwahl zur Ablehnung führen. Etwas, das man im Interview, im Gespräch sofort ausräumen kann, beim Fragebogen aber einfach zum Nichtausfüllen führt. Im extremsten Fall strahlt dieser erste Eindruck ab und mit einem Fragebogen wird auch noch die zukünftige Netzwerkarbeit erschwert.

Mit dem Wissen von heute über die Unerreichbarkeit (Telefon/Email) unserer speziellen Zielgruppe würden wir uns wahrscheinlich sofort für einen Roadtrip entscheiden. Selten wird man vor dem Gartentor stehen gelassen und die ersten persönlichen Kontakte liefern zusätzlich zu den Fakten persönlichen Beweggründe, Hintergrundgeschichten und Seitenerzählungen. Der erste Schritt ist punktuelles tiefes Wissen – die Landkarte abstecken.

Im besten Falle entdeckt man auf dem Weg ein existierendes Netzwerk, eine Organisation, die das Vertrauen bereits besitzt und kann so die Landkarte mit Hilfe eines Fragebogens (oder vielleicht doch kurzer Telefoninterviews) füllen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”

“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”

Warum Dörfer für Innovation prädestiniert sind

Nach Rogers “Verbreitung von Innovation” verteilt sich die Umsetzung von Neuem immer ungefähr gleich: 2,5% der Menschen sind Innovatoren, 13,5% frühe Anwender, 34% bilden die frühe Mehrheit, 34% die späte Mehrheit und 16% werden nie mitmachen, egal was passiert.Wende ich das jetzt auf mein eigenes 200 Personen-Dorf an, kommt folgendes heraus:

  • Ich brauche nur 5 Personen, also 4 neben mir, die bereit sind, ins Ungewisse zu springen – denn die erste Gruppe setzt sich aus Menschen zusammen, die wirklich Freude daran haben, Pioniere zu sein;
  • Wir müssen dann 27 Personen finden, die sich für die Vision begeistern lassen, denn die zweite Gruppe sind Visionäre, die die Fähigkeit haben, sich Zukunft vorzustellen;
  • Wenn dann auch nur noch eine weitere Person dazukommt, also 33 Personen insgesamt, haben wir schon den Innovationsgraben überwunden, der als der Punkt betrachtet wird, bei dem die Veränderung nicht mehr aufzuhalten ist. Jetzt sind wir schon arbeitsfähig;
  • Die nächste Gruppe, also die nächsten 68, sind Pragmatiker – sie werden sich anstecken lassen, wenn es erste Erfahrungen gibt, wenn die Visionäre schon einmal vorgearbeitet haben und es pragmatische, sichtbare Ergebnisse gibt;
  • Die nächten 68 werden später dazustoßen, wenn es sich schon normaler anfühlt;
  • Und die letzten 32 werden immer alles doof finden, an denen müssen wir uns gar nicht abarbeiten.

In meinem Dorf können also 33 Personen nachhaltig alles verändern – eine Gruppengröße, die sogar noch in einen Raum passt. Auf die Macht, die wir haben, als Einzelpersonen die kritische Masse für Veränderung zu erreichen, kann jeder eigentlich nur neidisch werden.

Was wir noch aus der Theorie der Verbreitung von Innovationen lernen können?

  • Konzentriert Euch auf die Innovatoren und die Visionäre. Die anderen werden später dazu kommen. Der Versuch, sie von Anfang an zu begeistern, ist zum Scheitern verurteilt, denn sie können sich nicht für Ideen sondern nur für Sichtbares erwärmen. Schenkt ihnen die Zeit, sich an die Veränderung zu gewöhnen.
  • Lasst Euch nicht von den 16% beeinflussen, die Euer Vorhaben nie gut finden werden, sondern entwickelt ein respektvolles Immunsystem ihnen gegenüber. Sie haben das Recht, Euer Vorhaben abzulehnen und Ihr habt das Recht, es trotzdem umzusetzen.

von Monia, Team Dörfer im Aufbruch

Wie Zeitdruck (Projekt)-Kräfte freisetzt (und nicht bewegungsunfähig macht)

Das Thema Zeitmangel taucht sicherlich in allen Projekten irgendwann auf. Fixe Termine auf die alle Beteiligten zuarbeiten, Finanzierungen, die irgendwann auslaufen, zu viele kleine Aufgaben, die sich auf immer länger werdenden Listen zusammenbrauen.

Hört man dem Team von Dörfer im Aufbruch nach sechs Wochen gemeinsamer Arbeit zu, hat es sich schier Unmögliches vorgenommen. In weniger als 5 Monaten sollen eine Konferenz, ein Online-Kurs, eine Webseite entstehen, die sich aus einer Datenbank mit Projektbeispielen speist, eine breite Öffentlichkeit will man erreichen, der Blog und Social Media Kanäle sollen bespielt werden…

Zur Halbzeit der ersten Projektphase haben sich einige dieser Ziele verändert. Die Konferenz ist zu Filmabenden mit Diskussion geworden – in drei Bundesländern; aus einem Tag sind drei Abende an drei verschiedenen Orten geworden. Die Ergebnisse und Projektprodukte sind nicht weniger geworden, sondern andere. Wie ist das möglich?

Das Team von Dörfer im Aufbruch arbeitet (unbewusst) in kurzen Projektsprints. Auf kurze Treffen für Vision, Reflektion und notwendige gemeinsame Planung folgen Phasen, in denen alle Teammitglieder autark (siehe Orgamodell) ihren Aufgaben, Verantwortungen nachgehen. Dies gewährt die Flexibilität Ideen auszuprobieren, zu modellieren und zu verwerfen.

Durch die Autonomie der Entscheidung können alle direkt ins Machen kommen. Gepaart mit einer gelebten Kultur der Fehlerfreundlichkeit und einer gehörigen Portion Humor hat jeder die Möglichkeit auch mal seiner Intuition oder dem Zufallsprinzip zu folgen. Es gibt kaum vordefinierte Projektabläufe, aber eine Menge Erfahrung und Lust zu spielen. Natürlich ist es nicht immer leicht, den eigenen Anspruch an Projektergebnisse oder (sinnvolle) Projektziele gefühlt nach unten korrigieren zu müssen. Die auferlegten Deadlines forcieren schnell sichtbare Ergebnisse; die Beruhigung ist, Korrekturen sind jederzeit im Nachhinein möglich.

Für Themen fern der Projektrealität – wie Ideen, Methoden und Formate entwickeln, der Austausch zur Form der gemeinsamen Arbeit und das Erdenken einer Zukunftsvision – reichen die regelmäßigen Teamtreffen kaum aus. Und manchmal – wie beim letzten Teamtreffen – gibt es kurze 15 Minuten, in denen magischerweise alle feststellen, dass sich ganz unabhängig voneinander ähnliche Zukunftsvisionen entwickelt haben. Das reicht um weiterzumachen und den Faden im Dezember wieder aufzunehmen.

Das ist wohl Teil der Portion Glück, die auch dazugehört. In diesem Fall hat sich ein Team zusammengefunden, in dem sich nur Einige kennen und schon zusammengearbeitet haben und trotzdem alle voneinander wie von alten Bekannten sprechen. Gemeinsam haben sie eine Atmosphäre der Offenheit geschaffen, in dem alle freundlich zugewandt und aufmerksam neben dem Projektmitglied und der gemeinsamen Aufgabe auch den Menschen sehen.

Katia Musiolek, Evaluatorin des Projektes “Ermächtigung zur Demokratisierung von Dörfern”
“Als externe Evaluatorin darf ich einzeln und gemeinsam mit allen Projektbeteiligten punktuell hinter die Kulissen schauen. Meine Erfahrungen und AHA-Effekte möchte ich hier teilen…”