Heinersdorf

Vielfalt und Gemeinsinn

Das 1.000 Einwohner zählende Dorf hatte nach der Wende mit vielen Problemen zu tun: verlassene Gebäude, sinkende Einwohner-Zahl, drohende Schließung sozialer Einrichtungen – doch was Kommunalpolitik oder Verwaltung nicht schaffte, nahmen die Einwohner selbst in die Hand und warteten nicht auf den “Goldenen Reiter”, der ihre Probleme löste. Es begann ein beispielhafter Weg der Hilfe zur Selbsthilfe.

Der Jugend ein Zuhause geben

Aus der alten GST-Schießanlage entstand in Eigeninitiative der Vereinsmitglieder des ortsansässigen Sportvereins ein Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche. Durch die Nutzung einer Vielzahl von unterschiedlichsten Förderungen wurde das Gebäude saniert und erweitert und eine Sozialarbeiterin konnte eingestellt werden. Neben der Schaffung von Freizeitangeboten für die Kinder und Jugendlichen ist die Einbindung der Kinder und Jugendlichen in Entscheidungen des Ortes ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit. So wurden Beteiligungsprojekte durchgeführt, die die Interessen der Kinder und Jugendlichen abbildeten und sie am gesellschaftlichen und politischen Leben in Ort teilhaben ließen (Projektbeispiele: Entwicklung von Spielplatz-Modellen, Gute Orte – schlechte Orte, Was würde ich tun, wenn ich ein Tag Bürgermeister wäre?, Fotosafari durchs Dorf).

Beispielhaft ist auch die gemeinsame Entwicklung eines Planes für einen Lern- und Begegnungsort in der Mitte des Dorfes. Kinder, Jugendliche, Firmen, Einrichtungen und Senioren brachten ihre Ideen mit ein. Es soll ein naturnaher und nachhaltig wirkender Ort werden, an dem sich alle Generationen des Dorfes treffen können – mehr als nur ein Spielplatz.

Wie aktiv sich Kinder und Jugendliche in die Gestaltung des Ortes einbringen, zeigen auch die beiden Kunst-Projekte, die der Hort im Dorf umsetzte. So entstand ein aus 30 Säulen bestehender Geschichtspfad mit alten Ansichten an historischer Orten im Dorf. Auch der alte Schornstein, auf dem der Storch sein Nest gebaut hat, wurde von den Kindern künstlerisch gestaltet.

Aus Gästen werden Nachbarn

Im Jahr 2015 standen die Heinersdorfer vor der Herausforderung rund 140 Menschen unterschiedlichster Kulturen in das Dorfleben zu integrieren. Von der Gemeinde-Politik im Stich gelassen, begannen die Heinersdorfer das zu tun, was sie immer tun, wenn sie vor schwierigen Situationen stehen: Sie krempeln die Arme hoch und packen an! Das ganze Dorf engagierte sich! Es entstanden Patenschaften, zwischen Einheimischen und Zugezogenen. Eine Nähstube, ein Dorfgemeinschaftsgarten und ein Töpferstudio wurde in Eigeninitiative errichtet. Eine Kleiderkammer konnte aufgebaut werden und im Kulturzentrum des Vereins Denk-mal-Kultur e.V. fanden unzählige Begegnungsprojekte (Sprachkurse, Kochen, …) statt. Im Vordergrund steht das gemeinschaftliche Handeln – und das klappt hervorragend. Heute leben noch rund 30 Menschen in Heinersdorf, die ihre Heimatländer aus den unterschiedlichsten Hintergründen verlassen haben – in Heinersdorf haben sie ein neues Zuhause gefunden, weil sie auf Menschen trafen, die Machen und nicht nur Reden.

Ein Haus für das ganze Dorf

Im Dorf steht ein altes Herrenhaus, von allen aufgegeben. Das im Eigentum der Gemeinde befindliche historische Gebäude scheint allen Verantwortlichen ein Klotz am Bein zu sein und wurde dem Verfall preisgegeben. Als das “Schloss”, wie das Haus liebevoll von den Heinersdorfern benannt wird, an einen Investmentfonds verkauft werden sollte, regte sich Widerstand und eine Bürgerinitiative gründete sich, die mit einem Bürgerbegehren den Verkauf verhinderte. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe im Dorf, die ein tragfähiges Nutzungskonzept erarbeitete und die Gemeinde überzeugte, in die Planung zu gehen. Heute liegt eine Baugenehmigung vor und werden verschiedenste Förderanträge gestellt, um die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses beginnen zu können.

Das Herrenhaus soll künftig unterschiedliche Wohnformen für das Leben im Alter bieten. Es sind Räume für die Dorfgemeinschaft, Vereine und dörfliche Einrichtungen (Bibliothek, Jugend- und Seniorenclub). Ein Kreativzentrum mit Werkstätten und Ausstellungsräumen geplant und eine “Lern-Akademie” für ältere Menschen komplettiert das Konzept.

Schon jetzt beleben die Heinersdorfer ihr “Schloss” mit Aktionen und Veranstaltungen, auch wenn dies von der Gemeindeverwaltung nicht gewünscht wird. Es finden Führungen, Lesungen, Konzerte und Weihnachtsmärkte statt.

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