Hirschlanden

Gemeinsam statt einsam

Hirschlanden hat sich mit seinen rund 406 Einwohnern kreativ den Herausforderungen des demographischen Wandels gestellt. Eine intensivere Vernetzung, die Einbeziehung der Dorfbewohner in die Entscheidungsfindung und die Wertschätzung von Engagement haben sichtbare Früchte getragen.

Eigenleistung & Selbstfinanzierung

In 22 Jahren und mit rund 37.000 Arbeitsstunden wurden 8 große Bauprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur umgesetzt, darunter das Dorfgemeinschaftshaus mit Orts-Archiv und Vereinsräumen, das Museum mit Gaststätte und Brauerei, das Gemeindehaus, ein neues Sportgelände, zwei Spielplätze und ein Jugendhaus. Zur Finanzierung dieser Projekte wurden Eigenmittel auf kreative Weise erwirtschaftet, so organisiert die Dorfgemeinschaft seit Jahren das größte Fest der Region, es gab Junggesellenversteigerungen, Straßenfeste und Weltmeisterschaften im Mistgabelweitwurf. Auch die preisgekrönte, ehrenamtlich betriebene Dorf-Gaststätte mit Brauerei, “Hirschbräu-Hirschlanden”, erwirtschaftet jährliche Gewinne, die in die Dorferneuerung fließen.

Mehrgenerationendorf

Um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken hat Hirschlanden ein Leitbild und das Konzept “Mehrgenerationendorf Hirschlanden – gemeinsam statt einsam” entwickelt. Es ist im Rahmen einer expliziten Befragung aller Einwohner entstanden, Arbeitsgruppen für die verschiedenen Bereiche haben sich gebildet. Rund 80 Dorfbewohner sind in diesen aktiv eingebunden. Zwei- bis dreimal im Jahr findet eine Bürgerversammlung statt, in der alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. In diesem Prozess hat sich das Dorf intensiv vernetzt und der Zusammenhalt wurde gestärkt.

Dörfliche Koordinationskraft

Dem Leitbild folgend haben sich Projekte speziell für die älteren und hilfsbedürftige Mitbürger etabliert. Um diese umzusetzen hat das Dorf eine “Dörfliche Koordinationskraft” in geringfügiger Beschäftigung angestellt, die sich um alle Belange der Hilfsbedürftigen kümmert. Finanziert wird sie mit Eigenmitteln des Dorfes und als Pilotprojekt der ev. Landeskirche von Baden. Sie koordiniert den regelmäßigen Kaffeetisch und den monatlichen Senioren-Mittagstischs, für den Ehrenämtler gegen eine Kostenbeteiligung und kleine Spende für die Senioren kochen, vierteljährlich kommen auch die Kindergarten-Kinder dazu. Sie organisiert den ehrenamtlichen Fahrdienst mit bis zu 27 ehrenamtlichen Fahrern und den dörflichen Kisten-Einkaufsservice, der den Dorfladen ersetzt hat und über den bei Bedarf auch Bankangelegenheiten erledigt werden können. Auch ein ehrenamtlich geführter Hospizdienst steht im Dorf bereit. Die Arbeitsgruppe “Soziales” organisiert regelmäßige Vorträge zu Gesundheitsthemen.

Unter dem Regenbogen

Besonders stolz sind die Bewohner Hirschlandens auf ihren Kindergarten “Unter dem Regenbogen”, der auf Initiative des Dorfes zu einem Tier-Therapeutischen Inklusionsprojekt umgestaltet wurde, nachdem die Gemeinde die Schließung des alten Kindergartens beschlossen hatte. Der neue Kindergarten zieht nun auch Kinder aus den umliegenden Dörfern an und kann sich so erhalten. In Eigenregie hat das Dorf ein preisgekröntes Jugendhaus und zwei Spielplätze errichtet. Es gibt eine ehrenamtlich geführte Dorfmediathek mit Lesungen und einem Kindertheater. Auch die Vereine, wie die Kinderfeuerwehr, der Kinderchor oder die Sportgruppen, bieten zahlreich Angebote für die Kleinen an.

Biotop-Vernetzung

Zwei Bürgergruppen haben sich im Dorf für die Umsetzung eines Biotop-Vernetzungsplan gebildet: “Grüngestaltung innerhalb des Dorfes” und die “Öko-Piraten”. In Absprache mit den Imkern wurden 35 Hektar Blühmischungen bepflanzt. Mehrere Biotope wurden angelegt und 35 Insektenhotels aufgestellt. Aus dieser Initiative hat sich auch die BIO-zertifizierte Streuobst-Erzeugergemeinschaft Hirschlanden gebildet.

 

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