Nebelschütz (obersorbisch Njebjelčicy)

Nebelschütz ist eine Gemeinde im Zentrum des ostsächsischen Landkreises Bautzen in der Oberlausitz. Zwei Drittel der Bevölkerung sprechen Sorbisch. Die Gemeinde Nebelschütz hat sich in den letzten Jahren zu einem enkeltauglichen Dorf entwickelt:

Kultureller Dialog

Nach hundertjähriger Nutzung des alten Steinbruches Miltitz, gestalten jährlich zehn Künstler Skulpturen aus Holz und Stein. Wo früher in Schwerstarbeit Stein abgebaut wurde, findet heute durch die internationale Bildhauerwerkstatt ein kultureller und sozialer Austausch statt.

Permakultur

Nicht nur im alten Steinbruch sondern in der gesamten Gemeinde wird nach Permakulturgrundsätzen gegärtnert. Ein Permakulturdesigner begleitet den Prozess der geschlossenen Kreisläufe. Auch die Rabatten des Dorfes werden so eigenverantwortlich von den Bürgern begrünt und stechen durch die Farbenpracht ins Auge.

Erneuerbare Energien

Einige Dächer des Dorfes sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. So kann zum einen Strom selber produziert werden, zum anderen können die Dachflächen, wie etwa beim Gebäude des Steinbruches Miltitz, verpachtet werden. Der Kindergarten der Gemeinde ist nicht nur mit einer Photvoltaikanlage bestückt, sondern ist auch komplett aus nachhaltigen Materialien wie Holz und Lehm gebaut.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Im Jahr 2013 entstand die Sozialwerkstatt auf dem Gelände einer ehemaligen Rinderanlage. Ein Teil der Anlage wurde nach 10-jährigem Leerstand von der Gemeinde Nebelschütz gekauft und in ein Multifunktionsgebäude umgebaut. Es wurde überwiegend gebrauchtes Baumaterial eingesetzt. Gestartet mit 20 Langzeitarbeitslosen, wurden zeitweise bis zu 60 Mitarbeiter und derzeit 12 Asylsuchende beschäftigt.

Ökokonto

Im Bereich der Landschaftsgestaltung arbeitet die Gemeinde Nebelschütz anhand eines Grünordnungsplanes. Sie kauft geeignete Flächen an und stellt diese zur Verfügung. Dadurch wird für das Ökokonto“ angespart und Ökokontomaßnahmen selber umgesetzt. Ökokontomaßnahmen sind vorgezogene Kompensationsleistungen für zukünftige Eingriffe in die Natur z.B. durch die Anlage von Feldhecken (Benjeshecken) oder Baumpflanzungen. Die Nebeneffekte sind Maßnahmen gegen Erosion der landwirtschaftlichen Flächen, Erleichterungen von Investitionen im Gemeindegebiet, „ökologische Verzinsung“ – Werterhöhung der Fläche sowie die Verbesserung der Lebensqualität um nur einige zu nennen.

Regionalladen mit regionalen Bioprodukten

Auch der dorfeigene Regionalladen wurde teilweise aus recycelten Materialien gebaut. Dort werden Regionale Produkte und Bioprodukte angeboten. Das Dorf möchte den Schritt hin zur Selbstversorgung wagen. Durch den Kauf von Ackerland konnte die Gemeinde die Struktur so anlegen, dass sich die vorhandenen Drei- und Vierseithöfe wieder selbst entwickeln können. Erfolgreiche Ökolandwirte wie Ignaz Wessela geben Beispiele dafür.

Magnet für Unternehmen

Eine Teil der alten stillgelegten Sauenzuchtanlage, bei der der notwendige Mindestabstand zum Dorf nicht mehr gewährleistet werden kann, wird von drei jungen Unternehmern zu einer Garnelenzuchtanlage umgebaut. Gezüchtet wird nachhaltig in geschlossenen Kreisläufen. Die drei Gebäude sollen nach und nach saniert und umgebaut werden. Ein Bauantrag liegt bereits vor. Im Herbst 2019 sollen die ersten Garnelen verkauft sein.

Beteiligung der Kinder und Jugendlichen

Die Kinder des Dorfes sind das höchste Gut, so Thomas Zschornak, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde. Das erlernte Wissen der vergangenen Jahre soll an sie weitergegeben werden. Laut ihm sind drei wesentliche Punkte der Schlüssel zur nachhaltigen Dorfentwicklung: Die Bürger sollen selbst Verantwortung übernehmen, gleichzeitig soll man ihnen Freiräume schaffen und sie ernst nehmen.

Video: https://vimeo.com/293106210/3a04108161
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