Oberndorf

Innovative Wirtschaftskreisläufe

Die Oberndorfer haben mit bemerkenswerter Initiative und Innovationskraft nicht nur ihr Dorf am Leben erhalten, sondern auch das Dorf zum Leben seiner Bewohner gemacht. Über nachhaltige und regionale Wirtschaftskreisläufe und aus einem kreativen Gemeinschaftsgeist heraus konnten sie soziale Strukturen in ihrem Dorf erhalten und verbessern. Sie haben Räume des Miteinanders und der Kommunikation geschaffen, die zu mehr Lebendigkeit, Zusammenhalt und Innovationskraft einladen. Verschiedenste Bürgerprojekte, wie die OsteWert AG, die Energiegenossenschaft “Die Oberndorfer eG”, das Bürgerforum oder die ehrenamtlich geführte Dorf- und Kulturkneipe haben zu mehr sozialer und ökonomischer Eigenständigkeit geführt. Alle erwirtschafteten Gewinne werden in die soziale Struktur der 1400-Kopf starken Kommune und die Lebensqualität seiner Bewohner reinvestiert.

Wie alles begann – erste Projekte zum Geld verdienen

Begonnen hat die gestalterische Bewegung im Jahr 2010, als sich eine Gruppe von etwa 30 Dorfbewohnern zusammenfand, um die Zukunft ihres Dorfes in die Hand zu nehmen. Mit Hilfe des Instituts für partizipatives Gestalten in Berlin wurde ein Dorferneuerungsprozess angestoßen, in dessen Verlauf schnell klar wurde, dass die meisten innovativen Projekte an der Finanzierung scheiterten. Daher beschlossen die Oberndorfer eine Genossenschaft zu gründen, mit dem Ziel über solide Projekte Geld zu verdienen und einen Teil der Überschüsse für die Dorfentwicklung zu verwenden.

So entstand 2012 die Oberndorfer eG, die nun über Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Dächern das Dorf mit Solarstrom versorgt und die überschüssige Energie ins Netz einspeist. Derzeit hat sie rund 213 Mitglieder.

Auch ein Biomeiler wurde mit vielen freiwilligen Helfern zur Wärmeerzeugung neben der Schule errichtet. Mit dem aufgewärmten Wasser wird ein Heizkörper betrieben. Ein weiteres Projekt der Dorferneuerung war die Anpflanzung einer Streuobstwiese mit alten Obstsorten, wo gemeinsam gearbeitet, gelernt und gefeiert werden kann. Ein neues Mini-Streuobstwiesen-Biotop ist in Planung.

 

Das Bürgerforum

Im Mittelpunkt der Oberndorfer Kreativität steht das sogenannte Forum, eine offene Bürgerversammlung. Regelmäßig kommen hier all diejenigen zusammen, die sich für eine zukunftsfähige Region, die Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität aller im Dorf interessieren – und sich dafür auch tatkräftig einsetzen wollen. In einer eigens dafür einberufenen Dorfwerkstatt zum Thema “Kommunikation” wurden anfangs klare Regeln und Leitlinien entwickelt, um Konfliktsituationen vorzubeugen und die Zusammenarbeit zu erleichtern.

Im Forum werden für das Dorfleben relevante Ideen vorgestellt und diskutiert, Mitstreiter gefunden und größere Projekte angestoßen, die keiner im Alleingang realisieren kann. Im Forum wurde der Erhalt der Dorfkneipe beschlossen, die nun von den Dorfbewohnern ehrenamtlich als Dorf- und Kulturkneipe Kombüse 53° Nord betrieben wird. Und als die Grundschule geschlossen werden sollte, schuf das Forum den Rahmen für die Formierung einer 50-köpfigen Bürgerinitiative, mit der Aufgabe die Schule zu retten. Gemeinsam suchte man nach Lösungen, um das nötige Geld zu erwirtschaften.

Die Bürger-Aktiengesellschaft OsteWert AG

Aus dieser Initiative ist die OsteWert AG entstanden, eine Bürger-Aktiengesellschaft, die aus Gülle mittels Biogasanlagen Energie erzeugt und diese zur Beheizung von Wassertanks für eine hochwertige Fischzucht verwendet. Die Güllereste aus der Biogasanlage werden wiederum als Dünger verkauft. Die OsteWerte AG hat inzwischen sechs neue Arbeitsplätze im Ort geschaffen. Die zum Großteil aus der Region stammenden Aktionäre bekommen höchstens acht Prozent Rendite, der Rest fließt in soziale Projekte und Strukturen, die das Dorf erhalten und die Lebensqualität seiner Bewohner stärken. Das nächste Projekt ist eine Bananenplantage, denn das Fischwasser ist ein idealer Dünger für Gemüse und eben auch exotische Früchte, die dann nicht nur das Wasser filtern, sondern auch zum Träumen anregen.

Beste Bedingungen für die Kleinen

Die alte Schule konnte nicht erhalten werden, jedoch wurde die Gründung einer neuen Schule von den aktiven Bürgern und Bürgerinnen schon in die Hand genommen. Mit Mitteln der Osterwerte eG und anderen Quellen ist eine freie Schule in Planung, die auf den neuesten Erkenntnissen der Kindesentwicklung aufbaut, um das kreative Potential der Kinder optimal zu fördern. Auch ein Segelkutter,  “Onkel Ernst”, wurde dank der Unterstützung der Ostwerte AG saniert und bietet den Oberndorfer Jugendlichen und Kindern nun regelmäßige Aktionen und Lernmöglichkeiten rund ums Segeln. Für ein abwechslungsreiches Leben der Kinder sorgt auch die Kiwitte, eine ehrenamtliche, kostenlose Nachmittagsbetreuung mit kreativem Programm von Montag bis Freitag. Mitmachen können alle Kinder und Erwachsenen. Die Teilnahme für Kinder ist kostenlos, das Programm finanziert sich über Sponsoren und Patenschaften.

Roter Punkt & Hallo Nachbar

Um die Mobilität der Dorfbewohner zu erhöhen haben die Oberndorfer die Aktion Roter Punkt gestartet. Ein Aufkleber auf Windschutzscheiben signalisiert die Bereitschaft des Fahrers Mitfahrende zu ihren Zielen mitzunehmen, wenn sie sich zu erkennen geben. Umgesetzt wird die Rote Punkt Aktion durch dezentrale Selbstorganisation in Oberndorf und den umliegenden Gemeinden.

Die Aktion “Hallo Nachbar” wurde ins Leben gerufen, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und auch Neubürgern die Integration zu erleichtern. Interessierte Bürger laden einmal im Monat zu einem auf 90 Minuten begrenzten zwanglosen Treffen ein

https://www.oberndorf-oste.de/

www.die-oberndorfer.de/