Pritzen

Fast 60 Jahre lang wurde in unmittelbarer Umgebung von Pritzen, einem Dorf in der Niederlausitz, Braunkohle gefördert. Auch Pritzen mit seiner historischen Feldsteinkirche sollte bis 1995 weichen. Die meisten der 480 Einwohner hatten das Dorf schon verlassen, der Friedhof wurde 1987 größtenteils umgebettet und die Kirche Stein für Stein abgetragen, um sie in einem für die Umsiedler errichteten Plattenbaugebiet in Spremberg wieder aufzubauen. Rund drei Viertel aller Häuser waren bereits abgerissen, als 1992 die Entscheidung fiel: Der Tagebau wird gestoppt. Nur noch wenige Einwohner hatten so lange durchgehalten. Ihr geschundenes Rest-Dorf konnte weiterleben. Und zumindest einen Kirchturm erhielt Pritzen wieder: Der über 500 Jahre alte hölzerne Kirchturm des verschwundenen Dorfes Wolkenhain vor dem Tagebau bei Welzow wurde hier wieder aufgebaut. Der ehemalige Gasthof wurde zum Bürgerhaus umgestaltet.

In den Jahren 1991, 1993 und 1995 fanden hier drei bedeutende LandArtEuropa-Biennalen statt, die den Raum nachhaltig prägten: Internationale Künstler ließen sich von der „Zwischenlandschaft“ und der speziellen Atmosphäre des fast tot geglaubten Dorfes zu poetischen Skulpturen und Installationen inspirieren. Verteilt über das Dorf und die umgebende Landschaft verleihen die Kunstwerke Pritzen ein ganz besonderes Flair.

Quelle: J.Hohmuth/zeitort.de

Seit 1998 wird der ehemalige Tagebau Greifenhain geflutet. Bis ca. 2030 entsteht an seiner Stelle der Altdöberner See, so dass Pritzen nun ein Ort auf einer Landzunge im See ist. Die „Kunstlandschaft Pritzen“ – einst auch ein Vorhaben der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land 2000 – 2010 – ist ein Projekt der kleinen gemeinwohlorientierten und künstlerischen Interventionen und Impulse. Durch das erfolgreiche Wirken einer Bürgerinitiative konnte der See 2015/16 vor einer Zweckentfremdung als Eisenhydroxydschlamm-Deponie bewahrt werden.  Der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg bearbeitet Pritzen und den Altdöberner See derzeit unter den Schwerpunkten Kunstlandschaft // Landschaftskunst // Kultur am Wasser // Natur und Ruhe als Entwicklungsraum im Lausitzer Seenland.

Quelle: J.Hohmuth/zeitort.de

Die Inspirationen der Europabiennalen wirken bis heute nach, auch wenn einige der Installationen vergänglich sind. Die Kunstscheune hat sich als belebendes künstlerisches Element erwiesen, bedarf aber dringend nötiger Instandsetzungen. Die Verschalung des Glockenturms muss dringend erneuert werden. Das seit Jahren geschlossene Bürgerhaus benötigt neue Impulse, örtliche Wirtschaftskreisläufe müssen aufgebaut werden und die öffentlichen Flächen im Ort bedürfen einer Gestaltung.

Der Verein Kunstlandschaft Pritzen e.V. ging 2019 aus dem seit 2002 vor Ort tätigen Verein Kunstscheune Pritzen e.V. hervor, um die Kunstlandschaft Pritzen in diesem Prozess mitzugestalten. Seine Aufgaben sind laut Satzung die Förderung von Kunst und Kultur, die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, die Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Umweltschutzes, der Heimatpflege und Heimatkunde sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger Zwecke.  Er beabsichtigt das Bürgerhaus von der Gemeinde zu kaufen, um es als Dorfgemeinschaftshaus zu erhalten. Es sollen Förderanträge u.a. bei LEADER gestellt werden. Des Weiteren ist geplant, die Kunstlandschaft Pritzen mitgestalteten ‚Wilde Gärten’ zu stärken und das Thema ‚Neue Kunst’ zu imitieren. Ulrike Rothe ist Vorsitzende des Kunstlandschaft Pritzen e.V.

www.pritzen.de

www.iba-see2010.de/de/verstehen/projekte/projekt6.html

www.amt-altdoebern.de/m/verzeichnis/objekt.php?mandat=81036

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