Dorfentwicklung – eine Schwangerschaft?!

Wir befragen viele Dörfer zu ihren Erfahrungen, nachdem ihnen eine Transformation gelungen ist. Und wenn sie sich zurück erinnern, klingt es immer, als wäre alles wunderbar gewesen. Sprechen wir mit Dörfern mitten im Entwicklungsprozess, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Was kommt bei uns an? Es scheint wirklich wie bei einer Schwangerschaft zu sein. Sobald das Baby da ist, ist alles anstrengende wie weggeblasen. “Sie mussten monatelang brechen?” “Niemals.” “Sie konnten vor Sodbrennen nicht mehr schlafen?” “Ehrlich?” “Die Geburt hat weh getan?” “Naja, ein bisschen…”

Ähnlich ist es in der Dorfentwicklung. “Gab es auch Konflikte?” “Kann mich nicht erinnern, nein.” “Hattet Ihr finanzielle Schwierigkeiten?” “Ach nein, hat alles so geklappt.” “Ist es Euch gelungen, alles gut auf verschiedene Schultern zu verteilen?” “Klar!” “Habt Ihr zwischendurch überlegt, aufzugeben?” “Auf keinen Fall!”

Das neue Dorf scheint es also so sehr wert zu sein, dass alle Anstrengung vergessen ist. Währenddessen erscheint der Preis manchmal hoch, doch wenn das Ergebnis da ist, erscheint im Nachhinein alles wie pillepalle. Solltet Ihr also noch im Transformationsprozess feststecken und zwischen verzweifeln, könnt Ihr getrost den Erfahrungen der anderen vertrauen: es lohnt sich!

Gemeinsames Essen als Katalysator von Dorfentwicklung

In den letzten Wochen durfte ich erleben, wie zentral die Rolle des GEMEINSAMEN ESSENS im Dorf sein kann, vor allem dann, wenn das Essen schlicht, liebevoll und gesund ist. Auf Schloss Tempelhof wird dreimal am Tag Essen serviert, für alle aus dem Dorf, die es möchten. Im coconat arbeiten alle den ganzen Tag nebeneinander her und dreimal am Tag kommen alle an einem langen Tisch zusammen. Auch im Dorf im Aufbruch Oberndorf durfte ich sehen, welch zentrale Rolle in der gesamten Dorfentwicklung die Kombüse 53° gespielt hat. Und ich war einfach nur begeistert von der Wirkung von gemeinsamen Essen, über die ich noch nie nachgedacht hatte.Erst einmal fühlt es sich tatsächlich toll an, mit gesunder und lokaler Nahrung versorgt zu werden. Es hat bei mir einerseits ein Gefühl von LUXUS ausgelöst, andererseits eine ganz andere VERBINDUNG ZUM DORF aufgebaut, wenn die Quelle dessen, was ich esse, gleich um die Ecke ist oder ich sie sogar aus dem Fenster sehen kann.

Vor allem ist es aber eine Art des Zusammenkommens, die lebendig und unaufregend zugleich ist. Hier werden die Dinge besprochen, die wirklich wichtig sind, hier finden INFORMATIONSAUSTAUSCH und KREATIVITÄT statt, die bei einer Dorfversammlung fast unvorstellbar sind. Hier werden GEMEINSAME VORHABEN beschlossen und eben mal schnell umgesetzt. Und hier ist es aber auch völlig unaufregend, wenn sich jemand mal nicht einbringen möchte. Hier gibt es keine Erwartungen und deshalb werden Erwartungen übertroffen.

In einigen Städten und Dörfern gibt es Straßen, in denen die Bewohner einmal in der Woche oder einmal im Monat ihre Tische und Stühle auf die Straße stellen und ihr ESSEN MITEINANDER TEILEN. Die Bewohner laufen rum, setzen sich mal hier mal da hin und essen mit. Und mir wird langsam klar, warum das ein so mächtiges Instrument der Gemeinschaftsentwicklung ist, die Basis aller Transformation.

von Monia, Team Dörfer im Aufbruch